Die Unglücksfahrt der 120 001   = 752 001

 

 

 

 

                                                           

                                                                                                                München - Freimann                                         Foto: W. Brutzer

 

Ein schwerer Zusammenstoß bei Süßen beendete am Morgen des 21. April 2004 den Einsatz der 752 001. Gegen 8:50 Uhr stieß der von der 752 001 gezogene Messzug 95158 (Ulm - Ludwigshafen - Oggersheim) frontal mit der aus 426 011 und 426 013 gebildeten Leergarnitur RbZ 74157 zusammen. Die Lokführerin der Leerfahrt wurde bei dem Aufprall getötet. Die sechs Mann starke Besatzung auf der 752 und im Messzug kam dagegen mit leichten Verletzungen davon, wobei sich die beiden Lokführer des FTZ Minden nur durch einen Sprung aus der Lok bzw. in den Maschinenraum retteten. Sowohl der Messzug als auch der 426er sprangen durch die Wucht des Aufpralls aus den Gleisen. Die Schäden bei der Vorserien - 120 betrafen vor allem die beiden Frontbereiche mit den Führerständen, während der Leichttriebwagen fast vollständig zerstört wurde. Die 752 wurde daraufhin am 29. April z-gestellt und im Bahnhof Süßen hinterstellt. Dort erfolgte Ende Mai 2004 die Verschrottung. Die zweite 426-er Garnitur, der 426 013, wurde relativ gering beschädigt und ist seit Dez. 2004 wieder im Planeinsatz.

 

                                            

 

 

 

21.04.2004

 

Beim Zusammenstoß von zwei Zügen auf der Bahnstrecke München – Stuttgart ist am Morgen in Süßen im Kreis Göppingen eine Lokführerin getötet worden. Sechs Menschen sind leicht verletzt worden. Die Strecke bleibt voraussichtlich bis zum Nachmittag komplett gesperrt. Gegen 8.50 Uhr prallte eine Leerfahrt, gebildet aus zwei Triebwagen 426, in Richtung Ulm auf einen Messzug, gezogen von der 752 001 (ex 120 001). Die Lokomotive zerstörte den führenden Triebwagen dabei stark, auch die Oberleitung wurde beschädigt. Die Unglücksursache ist noch unbekannt.

Die Strecke München-Stuttgart wurde komplett in beide Richtungen gesperrt. Die Fernverkehrszüge werden zunächst über Aalen/Donauwörth umgeleitet. Regionalzüge enden und wenden in den Bahnhöfen Göppingen und Geislingen an der Steige. Zwischen diesen Bahnhöfen werden Busse eingesetzt. Zur Bergung der Züge wurde ein Spezialkran aus Fulda angefordert. Die Bergungsarbeiten dauern wahrscheinlich bis in die Abendstunden an.

 

                                            

 

 

Von der Staatsanwaltschaft:

 

Datum: 19.06.2007

 

Kurzbeschreibung:

Die Staatsanwaltschaft stellt das Ermittlungsverfahren wegen des schweren Bahnunfalls im Bereich des Bahnhofs Süßen ein.

 

Ulm, Süßen

Die Staatsanwaltschaft Ulm hat dieser Tage die strafrechtlichen Ermittlungen zu dem Zugunglück im Bereich des Bahnhofs Süßen am 21. April 2004 abgeschlossen und das Verfahren mangels Zuordenbarkeit festgestellter Pflichtenverstöße zu bestimmten Personen eingestellt.

Am 21. April 2004 stieß im Bereich des Bahnhofs Süßen ein in Richtung Geislingen/Steige fahrender Leerzug mit einem in der Gegenrichtung fahrenden Messzug zusammen. Durch die Wucht des Aufpralls wurde die Lokführerin des Leerzuges getötet, sechs Insassen des Messzuges wurden verletzt. Der Sachschaden an den entgleisten Zügen betrug etwa 5 Millionen Euro, der an den Gleisanlagen etwa 300.000 Euro.

Die umfangreichen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und des Bundespolizeiamtes Stuttgart, in die auch Sachverständige des Eisenbahnbundesamtes in Stuttgart einbezogen wurden, haben zu folgenden Feststellungen geführt:

 

Im Bereich des Bahnhofs Süßen war es wegen Feuchtigkeitseinbruchs in ein Steuerkabel in rascher Folge zu Fehlfunktionen gekommen, weswegen das Kabel dringend ausgewechselt werden musste. Beim Umklemmen von Stromkabeladern wurden bei einer Weiche versehentlich zwei Adern vertauscht. Dadurch stimmte die tatsächliche Stellung der Weiche vor Ort nicht mehr mit der im Stellwerk optisch angezeigten vermeintlichen Weichenstellung überein. Die fragliche Weiche zeigte zum Unfallzeitpunkt auf dem Stelltisch des Fahrdienstleiters eine Rechtslage, d.h. eine Geradeausfahrt an, befand sich aber tatsächlich in Linkslage, was eine Überleitung von Zügen in Fahrtrichtung Ulm von Gleis 2 auf das Gegengleis 3 für die Fahrtrichtung Stuttgart bewirkte. Der Leerzug wurde folglich von Gleis 2 auf das Gegengleis 3 gelenkt, wo er mit dem ordnungsgemäß entgegenkommenden Messzug zusammenstieß.

Die Untersuchungen des Eisenbahnbundesamtes förderten auch weitere Verstöße gegen Sicherheitsvorschriften zutage. So wurden Dokumentationen nicht oder nicht richtig erfüllt, auch wurden Absprachen nicht oder nur unzureichend getroffen.

Trotz umfangreicher Ermittlungen konnte indes nicht geklärt werden, welcher  Signaltechniker die Kabel falsch angeschlossen hatte. Von den beteiligten und beschuldigten Signaltechnikern behauptet jeder, ihm sei kein Fehler beim Umklemmen der Kabel unterlaufen. Keinem dieser Beschuldigten ist das Gegenteil nachweisbar.  Auch waren bemerkenswerter Weise beim Eintreffen der Polizei – durch eine nachträgliche Manipulation – die Kabel wieder ordnungsgemäß verdrahtet.

Nicht zu klären war auch, ob die bei solchen Arbeiten vorgeschriebene „Übereinstimmungsprüfung“ der Stromadern durchgeführt wurde. Bei einer solchen Kontrollmaßnahme wird geprüft, ob die tatsächliche Lage der Weiche vor Ort mit den optischen Anzeigen zur Lage der Weiche im Relaisraum und auf dem Stelltisch übereinstimmt. Die Durchführung einer solchen Überprüfung ist nicht dokumentiert, so dass aufgrund der widersprechenden Angaben der Signaltechniker und des Fahrdienstleiters nicht geklärt werden konnte, ob eine solche Überprüfung tatsächlich erfolgte.

In gleicher Weise konnte nicht geklärt werden, ob die Signaltechniker den Fahrdienstleiter bereits über den Beginn ihrer Reparaturarbeiten informiert hatten, was von diesem bestritten wurde. Die Angaben der Signaltechniker, dem Fahrdienstleiter Zugfahrten während ihrer Arbeiten untersagt zu haben, sind nach den durchgeführten Ermittlungen ebenso wenig mit ausreichender Sicherheit zu widerlegen wie die gegenteilige Aussage des Fahrdienstleiters, er habe ausdrücklich die Genehmigung zur Abfertigung der später verunfallten Züge erhalten.

Die Ermittlungen haben ferner ergeben, dass eine grundsätzlich erforderliche formelle Betriebs- und Bauanweisung bzw. betriebliche Anordnung zur Durchführung der Bauarbeiten im Gleisbereich nicht eingeholt wurde. Angesichts der hohen Dringlichkeit des Reparaturvorhabens bedurfte die Störungsbeseitigung als unvorhergesehene ad-hoc-Maßnahme vorliegend einer solchen formellen schriftlichen Anordnung nicht. Unabhängig davon blieb auch offen, ob eine solche formelle Anordnung das Unglück tatsächlich verhindert hätte.

 

Obgleich somit zahlreiche Verstöße gegen Sicherheitsvorschriften seitens der Mitarbeiter der Bahn nachzuweisen waren, konnte die Staatsanwaltschaft das Ermittlungsverfahren nicht durch Anklageerhebung zum Abschluss bringen. Dies deshalb, weil nicht mit einer ausreichenden Sicherheit festgestellt werden konnte, welchem oder welchen der beteiligten Mitarbeiter der Bahn der Pflichtenverstoß, der letztlich tatsächlich zu dem schweren Unfallgeschehen führte, zuzurechnen ist. „Jede Bestrafung setzt“, so Leitender Oberstaatsanwalt Dr. Wolfgang Zieher, „den Nachweis persönlichen Verschuldens voraus. Folglich kommt trotz aller festgestellten Fehler nur die Einstellung des Verfahrens in Betracht. Dies ist, auch aus Sicht der Staatsanwaltschaft, einerseits sehr unbefriedigend, andererseits aus Gründen einer rechtsstaatlichen und am Verschuldensprinzip orientierten Strafverfolgung jedoch letztlich unumgänglich.“

 

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   Vom THW:

 

Schweres Zugunglück – 34 THW-Kräfte im Einsatz

Süßen. Eine Regionalbahn war am Mittwoch in Süßen bei Göppingen frontal mit einem Messzug zusammengeprallt. Bei dem schweren Unglück kam die Lokführerin der Regionalbahn ums Leben, sechs Fahrgäste wurden zum Teil schwer verletzt. Die Zugstrecke Stuttgart-Ulm-München musste mehrere Stunden gesperrt werden.

Einsatzkräfte der THW-Ortsverbände Göppingen, Kirchheim/Teck, Gruibingen und Geislingen halfen bei der Bergung der beiden Zugwracks und räumten die Einsatzstelle. Da die Arbeiten nachts fortgeführt wurden, leuchtete das THW die Einsatzstelle aus.

Die Regionalbahn wurde vom THW auf sieben Meter Länge ausgebeint und auf ein Hilfsfahrwerk aufgesetzt. Nach dem Aufgleisen gestaltete sich die Trennung der E-Lok vom ersten Messwagen als schwierig und zeitaufwändig. Erst nach Stunden gelang es, diese mit der Diesellok aus den Trümmern zu ziehen. Die E-Lok wurde gestern gegen fünf Uhr in den Bahnhof Süßen geschleppt. Dort wurden alle geborgenen Fahrzeuge abgestellt und mit Planen abgedeckt.

 

                                                

 

Der Ortsverband Geislingen hatte die Verpflegung aller Einsatzkräfte von Bundesgrenzschutz, Deutschem Roten Kreuz, Feuerwehr, Deutsche Bahn Notfallmanagement und Polizei übernommen. Zur Koordination der THW Einheiten war die Führungs- und Kommunikationsgruppe des Ortsverbandes Göppingen vor Ort.

 

                                

                                                                                                                     Süssen, 25.4. 2004   Fotos: Werner Brutzer

 

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   Agenturmeldung:       23.04.2004

 

Falsch gestellte Weiche offenbar Ursache für Zugunglück

GÖPPINGEN (ddp) - Eine falsch gestellte Weiche war vermutlich die Ursache für das Zugunglück am Mittwoch in Süßen im Kreis Göppingen. Bei dem Zusammenprall zwischen einem Regionalzug und einem Messzug war eine Lokführerin getötet worden, sechs Menschen erlitten leichte Verletzungen. Der Regionalzug sei nach den bisherigen Ermittlungen kurz vor der Unglücksstelle auf das Gegengleis geleitet worden, teilten Polizei, Staatsanwaltschaft und Bundesgrenzschutz am Donnerstag mit. Dort prallte er frontal mit dem Messzug zusammen. Wer für die falsch gestellte Weiche verantwortlich war, müsse noch geklärt werden, hieß es weiter. Arbeiter seien in den vergangenen Tagen mit Wartungsarbeiten an der Weichenanlage beschäftigt gewesen. Auch am Mittwochmorgen seien mehrere Teams sowohl am Gleis als auch im Bahnhof Süßen im Einsatz gewesen.

    

                                                               

 

 

Geblieben sind Erinnerungen und die Modelle der verunglückten Fahrzeuge, die 120 001-3 von Märklin® und der 426 011-3 von BRAWA®, hier auf legendärem M-Gleis von Märklin®.

 

                

 

                                                                                                       

 

           

 

 

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