Füssener Modellbaublätter                                  3/11   

 

Thema:                   Die Schienenbuslegende

                    VT 95 und VB 142

       

  

       

 

Er fehlte oder fehlt eigentlich auf kaum einer Märklin®  - Modellbahnanlage: der alte 3016 mit dem 4018. Mal mit mehr oder weniger detaillierter Beschriftung, mal hellrot, mal dunkelrot. Der Beiwagen mit Schleifschuh und später mit Skischleifer. Alles mit sich wandelndem Dauerlicht bei eigentlich unmöglicher Ausleuchtung. Auflage: Kopfmachen nur mit Umsetzen erlaubt, denn der Beiwagen VB 142 war kein Steuerwagen. Puffer gab es nicht, dafür die einfachen Mittelkupplungen.

Der Digitalbetrieb reizt natürlich dazu, um einige der ungeliebten Modellschwächen zu eliminieren: Frontlichter und Innenbeleuchtung. Störend auch der Schleifschuh, der auf den Pukos für Geratter sorgte. Das heißt, als erstes muss eine leitende Kupplung her.

 

 

Der Umbau:

Da gab's nur eins: Resteverwertung von alten Roco® Deichseln mit NEM - Schacht, die eh nicht echt kurzkuppelfähig waren. Man kann sie aber gut auf die VT 95 und VB 142 zurecht schneidern, denn die hatten eine Mittelkupplung. Mit Silberleitlack ergibt das dann noch stromführende Kupplungen. Das spart u.U. die Decoder in den Bei-wagen und man hat doppelte Einspeisung. Drehzapfenabstand zwischen den Motorwagen 52 mm,  bei den Beiwagen 31 mm. Dies bringt zwar keine heftige Verkürzung des Fahrzeugabstandes, aber dafür ist der sichere Betrieb auf dem Industriekreis möglich. Die original Drehpunkte beim Beiwagen müssen wegen des gedrehten Halters gespiegelt werden, Ø 2 mm für Schraub - Befestigung. Sonst klappert die Kupplung. Alle Zentrierfedern werden wieder verwendet, auch die am Motorwagen.

 

Original aus Roco® Umbauwagen 4-Achser              -->   Beiwagen                  -->   Motorwagen

 

 

                                

 

         

 

Der komplette Ausbau der Schleifer mit Sockel aus den Beiwagen ist nur für geübte Bastler reversierbar. Nur, wer baut schon leitende Kupplungen wieder zurück! Noch was: neuen Wagenboden einlegen, damit die Beleuchtung der Gleise aufhört! Bei den Motorwagen müssen die Stege, die die alten Kupplungen hoch halten, raus geflext werden. Nix für Vitrinensammler, nur was für Modellbahner, die über unrealistische Wertwahnvorstellungen eines Kataloges hinwegsehen können! Die sichtbaren KK - Teile sollten mit lösungsmittelfreier Farbe „getarnt“ werden! Die Kabel werden mit dem leitenden KK - Kopf im NEM - Schacht eingeklemmt.

 

 

 

Wenn das nun ein VT 98 mit Puffern wäre, dann könnte man auch noch einen Güterwagen mitschleppen, denn die Kupplungen haben Normhöhe. Hinweise zur Be-schriftung gibt es hier: Lackierungen und Beschriftungen.

Warnung: damit es im Crash - Fall wegen Kurzschlusses zwischen Gleis und leitender Kupplung nicht zum totalen GAU kommt: der Strompfad wird mit Schutzdiode und 470 Ω vom Decoder entkoppelt, für die LED - Beleuchtung unrelevant, aber es gibt eine Strombegrenzung auf ca. 40 - 50 mA, je nach Gleisspannung. Dies schützt zwar den Decoder, aber nicht die LED's! Alternativ bleibt die Steuerung über Relais für alle Innenbeleuchtungen übrig, dann aber ohne Dimmung. Hab den Crash aus Dusseligkeit getestet, kostete die Schutzdiode und eine LED der Innenbeleuchtung, die war gleich schnell. Nachbau auf eigene Verantwortung!

 

Die Stirnlampen

Wer das Duo fährt wird es selten trennen. Das vereinfacht die Lichtsteuerung: nur die tatsächlichen Stirnseiten werden mit Duo - LED's ausgerüstet und entsprechend mit f0 fahrtrichtungsabhängig angesteuert. Die Lampen zwischen den Fahrzeugen werden mit Klebeband abgedunkelt. Die Innenbeleuchtungen schaltet man dann mit f1. Sollen die Triebwagen einzeln eingesetzt werden, erfolgt die Lichtschaltung analog zu Loks mit f0, f1 und f2. Dann wäre auch über den Einsatz von Funktionsdecodern in den Beiwagen nachzudenken. Beim Ledbaron® bekommt man Duo - SMD - LED's in wws / rt zu vernünftigen Preisen. Warmweiß heißt hier sunny - white, also nicht gelb- und schon gar nicht blaustichig!

 

klein (0605) und fein (Draufsicht):                     aber kein Spaziergang für die Augen!     

die Anschlüsse sind decodergerecht ausgeführt, aber ohne Schutzbeschaltung mit Diode und Rv geht es trotzdem nicht!

Hinweis: der Austausch der Frontlampen durch normale Ø 3 mm - Duo - LED's ist nicht möglich, sie sind zu klein und die Ø 5 mm natürlich zu groß. Also bleibt nur die SMD - Version in Verbindung mit den originalen Linsen übrig.

Leider ist bei Verwendung der Duo - LED's mit einem gemeinsamen Pol keine Reihenschaltung für den Regelzugschluß möglich, dies ginge nur bei Leerfahrt - Schlusslicht. Bei Triebwagenzügen unsinnig, nur für Loks interessant, die keinen gekuppelten Schubdienst (z.B. E93 - Geislinger Steige / V60 in Aachen / Ablaufberge) leisteten. Somit bleibt die Vorwiderstand fressende Parallelschaltung übrig. Angebracht wären hier Duo - LED's mit elektrisch getrennten Anschlüssen, das Gehäuse gäbe es her. Gilt nicht nur für den VT 95, der Schaltplan:

 

                                    -  aber vielleicht gibt es die anderen LED's irgendwann mal zu akzeptablen Preisen.

 

Leider lässt sich die Helligkeit aller Decoderausgänge nur gemeinsam dimmen. Deshalb muss bei der Wahl der Vorwiderstände sorgfältig vorgegangen werden, sonst werden die Schlusslichter schnell zu grellen Scheinwerfern. Achtung, auf dem Schaltplan ist die Ansicht von der Lötseite gesehen dargestellt!

Vormontagen: SMD - Widerstände und Schutzdiode auf einer kleinen Lochrasterplatte auflöten. Mit den LED's auf doppelseitigem Klebeband auf dem Werktisch gemäß Einbauposition anordnen und nach Strompfaden verbinden, das vermeidet Fehlverbindungen. Verbindungsdrähte: Ø 0,1 CuL. Lötstellen an den LED's nach Prüfung mit 2-K - Kleber sichern!

 

                                                                     

 

Nun wird's richtig nervig: die LED's von innen an die Linsen heften (mit Sekundenkleber) und dabei ausrichten, damit die weißen und roten Segmente in den LED's alle die gleiche Position haben! Die rote Glühbirne befindet sich beim Vorbild meist am oberen Rand. Wenn alles stimmig ist die LED's mit 2-K - Kleber festkleben und mit Farbe abdecken. Die Drähte gebündelt am Mittelholm nach oben führen und die kleine Platine einfach mit doppelseitigem Klebeband unters Dach kleben.

PS: wer meint, er könne statt der oberen Duo - SMD - LED eine einfache wws - SMD - LED nehmen, nun, der muss sich nicht über die verschiedenen Farbtemperaturen wundern. 
 
Wichtig: Die Gehäuse - Grundmasse ist heller Kunststoff. Dies hat zur Folge, dass die Lampen einen „Heiligenschein“ bekommen, wenn man nicht heftig genug dimmt. Und das sieht übel aus! Bei meinerseits zunächst gewählten Vorwiderständen, siehe Schaltplan, darf die Betriebsspannung 6 - 7 V nicht überschreiten. Dies bedeutet einen Konflikt mit der Fahrgastraumbeleuchtung, da dort 3 - 4 wws - LED's in Reihe geschaltet sind! Ich empfehle daher für einen guten optischen Eindruck der Frontbeleuch-tungsplatine ein Poti 47 kΩ vorzuschalten, damit die Helligkeiten einfacher individuell eingestellt werden können. Ein zusätzlicher Festwiderstand mit 27 kΩ tut's auch. Pro Strompfad fließen ca. 180 µA, bei der Innenbeleuchtung sind es ca. 350 µA.

 

               der Heiligenschein:                   und schielen tut er auch ein wenig.

 

Und wer nun wegen des Umbaus Reue zeigt: es gibt die Linsen:  209810 Blende hell zum Zurückbauen, 79 Ct. / St. Die Scheiben gibt es übrigens auch noch:

209760 Seitenfenster
209770 Stirnfenster vorne
209780 Stirnfenster hinten                 für den Beiwagen:    209980 Stirnfenster und 210010 Blende rot

 

Die Innenbeleuchtung

Motorwagen: die alten Glühbirnen werden ausgebaut und dafür kommen je Seite 3 / 4 wws SMD - LED's PLCC 2 an die Decke. Damit „verschwindet“ der Schatten spendende Motorblock ein wenig. Besonderheit: der verdunkelbare Führerstand, als Vorhang dient ein Stückchen weißes Papier. Die jeweils vorderen Führerstände haben eine bei Rückwärtsfahrt separat zu schaltende LED.

 

                                    

 

Die Beiwagen bekommen 4 LED's in Reihe (Rv = 15 kΩ + 1N 4148 WS), die roten Linsen werden hier abgedeckt. Beide Achslager mit Drahtbrücke verbinden, ebenso die beiden Kupplungsköpfe. Berechnungshinweis: pro LED werden je nach Typ ca. 2,9 ... 3,4 V Betriebsspannung benötigt. Das legt die Anzahl in der Reihenschaltung fest.

 

                                                    

 

Da der Schienenbus bei mir generell mit 2 Motorwagen gefahren wird erfolgt die Lichtsteuerung mit f0 = Stirn-/ Schlusslichter, f1 = Fahrgastraum und f2 = Führerstand. Die leitende Kupplung wird über f1 (fahrtrichtungsunabhängig) geschaltet. Durch die Doppelspeisung ist die Innenbeleuchtung flackerfrei.

 

 

Nun kann man noch die Bügel an den Frontkupplungen entfernen, dann sieht das alles recht ordentlich aus, nur reinrassig ist der Schienenbus nicht mehr.

 

 

 

 Vorbildgerechte Reihungen:

VT 95 + VB 142

VT 95 + VB 142 + VB 142

VT 95 + VT 95

 

 

VT 95 + VB 142 + VT 95

 

 

VT 95 + VB 142 + VB 142 + VT 95 

 

Zwei wesentliche Gründe für die eingeschränkten Kombinationen (Zuglängen) waren u.a. die Motorsteuerungen und die Lichtmaschinen der Motorwagen, die neben der Beleuchtung auch die Webasto® - Heizung in den Beiwagen zu versorgen hatten. Das hieß in der Regel: pro Motorwagen max. 2 Beiwagen. Die max. zulässige Zuglänge mit 12 Achsen war beim VT 95 wohl recht selten anzutreffen. Ein solches Belegfoto hab ich jedenfalls noch nicht gefunden.

 

 

                                             Betriebsschluss im Bf Zell:                

 

 

 

                        ©  Wolfram Stephan                                                                     Inhaltsverzeichnis                 Startseite