Füssener Modellbaublätter                                                                     4/10    

 

Thema:                   Lackierungen - Details

 

Grundlage für diese Beschreibung sind 2 verschiedene Gehäuse der von Märklin® unverständlich falsch lackierten und falsch bedruckten E40 072.  Einmal gibt es das Gehäuse mit angegossenem Zierstreifen (Gürtellinie) und Griff unter dem rechten Frontfenster und dann als seitlich glattes Gehäuse ohne diesen Zierstreifen. Ersteres für die einfarbige klassische Lackierung und Letzteres für die neueren Loks ab Ep. IV mit Rahmen in RAL 5020 (ozeanblau) geeignet. Alle Dachaufbauten wie Isolatoren und Hauptschütz sowie Scheiben sind vor Restauration zu entfernen. Nicht vergessen: die Löcher für die Schlusslichter aufbohren (Ø 2,0 mm)!

Lackierungen und damit verbundene Vorbereitungen sind nicht besonders für Bastler mit zittrigen Händen oder gravierende Sehfehler (z.B. 3D - Fehler) geeignet, da einzelne Partien peinlich genau abgedeckt oder Schriften positioniert werden müssen.

 

                             

 

                    Abbeizen.                           Je nach Werkstoff des Gehäuses und der Farbe mit Universalverdünnung, Bremsflüssigkeit oder Abbeizer.

Gussgehäuse:                    alle Methoden möglich, sicher geht Bremsflüssigkeit, Nitro bei Acrylfarben schneller.

Kunststoffgehäuse:         nur in Bremsflüssigkeit.

 

Grundierung:                   Gussgehäuse:                Weinert WE 2698

                                            Kunststoffgehäuse:     Acrylhaftgrund, z.B. aus Autohandel

 

Bei allen Arbeiten unbedingt die einschlägigen Sicherheitsdatenblätter / Sicherheitsvorschriften beachten bzw. einhalten.

 

Beispiel BR 139 mit Klatte-Lüfter

Lokaufbau 3x lackieren, hier RAL 6020 (chromoxydgrün), auch innen! Auf der angespritzten Rahmenkante abkleben, Innenraum ausstopfen.  RAL 9005 (schwarz) 3x lackieren. Jede Farbe trotz Einbrennens (bei 60° C)  vor dem Abkleben über Nacht in Ruhe aushärten lassen.

Lüfter und Rahmenkante (Zierleiste) ringsrum abkleben, restliches Gehäuse muss komplett geschützt sein, RAL 9006 / 9007 3x aufbringen. Ecken wie an den Türen sauber eindrücken (um die Ecke kleben)!

 

                                                        

 

                                                               

 

 

Die Dachaufbauten sind ebenso ringsum abzukleben, runde Masken erstellt man sich am einfachsten mit Locheisen. Als Abklebematerial nehme ich feingeprägtes Kreppband aus dem Baumarkt. Etwas größer ausstanzen und dann auf Maß zuziehen. Sicher werden es insgesamt viele Schnipsel, die positioniert werden müssen. Ordentlich (Ecken) andrücken, damit keine Farbe darunter fließt. Statt Klebeband kann auch Abdeckfarbe genommen werden. Nur den Hauptschütz mitlackieren! Restliche Flächen komplett bedecken. Erst danach Dachaufbauten ergänzen, Patina (verschmutztes Dach) sollte, wenn erwünscht, nach dem Zustand wie im obigem Bild aufgebracht werden. Alle Isolatoren nachfärben, ggf. auch die Stromleitung(en). Die Druckluftleitungen für die Dachstromabnehmer können sowohl Aufbaufarbe haben wie auch in RAL 7005 (hellgrau) gestrichen sein. Hier muss ein Vorbildfoto zu Rate gezogen werden, jedoch sind Dachaufnahmen von Loks recht selten. Mit dem Vitrinengedusel einiger Sammler haben diese Loks jedenfalls nix tun.

   

                           

                                      und noch ein Unikat aus einer vergurkten E40 072:     die 139 552-4  mit Schneeräumern  Heimat-Bw Offenburg

 

 

Etwas anders verläuft die Lackierung bei den Loks, die Rahmen in RAL 5020 (ozeanblau) oder RAL 3004 haben: hier müssen vor Aufbringen von z.B. RAL 5020 neben dem oberen Aufbau auch die schmalen Zierstreifen auf der beige Grundfarbe am untersten Rahmenrand abgeklebt werden. Diese sind nur 0,5 mm breit und werden sofort nach der 3. Schicht RAL 5020 entfernt. Da die Farbgrenze in halber Höhe der Doppellampen verläuft, ist hier sehr sorgfältig abzukleben, damit keine "Farbhöfe" entstehen. Hinweis: von 1968 bis 1974 wurden die Aufbauten statt in TEE - beige (RAL 1001) in elfenbein (RAL 1014) lackiert.

 

       BR 110                    oder BR 140     

                                                                                                                                                                                          wie viele Wagen hat ein Zug eigentlich?

Als Abdeckstreifen für die schmalen Ziersteifen eignen sich Klebebänder, wie sie für die Leiterplatten - Layouterstellung verwendet wurden. Man erhält sie u.a. auch bei Weinert - Modellbau, wenn die mal keinen Betriebsurlaub machen. Die schmalen Klebebänder besonders sorgfältig andrücken, ein Blick längst des Streifens macht sofort jede Schlangenlinie sichtbar.  Nach RAL 5020 nun Lüfter und Dachaufbauten abkleben (z.T. auch Abdecklack im Einsatz, wie bei den Druckluftleitungen zu den Stromabnehmern) und lackieren, zum Schluss Pufferbohle, Batteriekasten usw. in RAL 9005.

 

                 

 

RAL 1014:  sieht bei warmweißem Kunstlicht erst mal etwas gelbstichig aus. Da sollte man nicht erschrecken, im Sonnenlicht ändert sich das.  War aber sicher der Grund, warum Märklin® die elfenbeinfarbigen Loks nicht elfenbeinfarbig lackiert hat,  z.B. auch die BR 216 oder die 141 001. Ist so eine undefinierbare Mischung aus RAL Göppingen. Wie auch das Ozeanblau recht kräftig ausgefallen ist. Eben wie so oft daneben. Aber die meisten Modellbahnen stehen halt nicht im Sonnenlicht.

Die Beschriftung steht an: nun muss man sich entscheiden, was das werden soll: BR 110, BR 139 oder BR 140. Bei der BR 110 tut man sich etwas schwerer, es gibt keine passenden fertigen Betriebsnummern. Also müsste man sie zusammenbasteln. Deshalb wird dieses Gehäuse zur 140 193-4. Die restlichen Rahmenbeschriftungen sind aus meiner Zusammenstellung, siehe Lackierungen und Beschriftungen. Das Gehäuse hat keine angegossenen Zugheizungskabel, man muss die von Roco® ansetzen.

 

 

Patina   oder   Wie kommt der Umwelt - Dreck aufs Dach?              

Beim Vorbild ein normaler alltäglicher Vorgang, aber bei der Modellbahn? Unverbindliches Rezept: Patinapulver (ws + sw + br) von Noch® in Benzin lösen (mit Dremel® - Rührhaken einrühren). Achtung, die Pigmente setzen sich recht schnell ab, daher sofort mit Airbrush® DEZENT!!! auftragen. Auftrag ist trocken sehr sensibel gegen mechanische Einflüsse jeder Art, Finger weg! Die Fertigpatina entspricht nicht dem Anrühr- oder Trockenstatus! Der abschließende Klarlack dunkelt die Patina gewaltig nach! Damit es keine Enttäuschung wird: wer da keine Erfahrung hat, sollte vorher an gleichfarbigen, aber wertlosen Opfern (Probebleche) üben! Ich hab Rohgehäuse aus der Ersatzteilkiste genommen, sie ergeben ein besseres Gesamtbild und ich kann sie ja immer wieder abbeizen. Nachdem das mit Airbrush® nicht so optimal erschien, hab ich für den Patinaauftrag wieder zu der Borstenpinsellösung gegriffen, das geht m.E. besser. Spart außerdem die teure Master - Version der Spritzpistole.

Hinweis: der Versuch mit Acryllack als Dreck auf dem Dach war nicht gut, zu intensiv!  Sieht dann abscheulich aus wie bei den Mustern von  Herrn Schnug.   Realitätsfremde Kohlenkisten. Zu patinierende Fläche beim ersten Bearbeiten abkleben, dann sanfte Übergänge schaffen. 1x mit Klarlack fixieren und ggf. nachpatinieren. Eigentlich selbstverständlich: man sieht jeden Fingerabdruck (Fett) wenn man fuscht. Damit der Umweltdreck nicht auch noch glänzend in Erscheinung tritt: dem Klarlack in diesem Bereich etwas mehr Mattierungsmittel #2699 zusetzen!

           Versuche und Zwischenergebnisse:

 

             

                                                 Kunstlicht                                                                                                                                Tageslicht (bedeckt)

Leider verschmutzen die Original - Dächer nicht gleichmäßig, das wäre zu einfach. Jeder kennt den Spruch:  das Dach muss neu geteert werden, das Beige scheint schon wieder durch. Hier wollen wir aber diesen Schmuddel-Look. Die Lösung heißt mehrere Schichten, aufwändig, aber was tut man nicht alles für die Optik, schließlich lebt die Kosmetikbranche davon.

 

                                    

 

Ich denke die Bilder sprechen für sich, saubere Loks sind so selten wie lila Kühe. Die ICE - Waschanlagen wie z.B. in München lassen wir mal außen vor, sie hinterlassen eh keine bleibende Wirkung. Nur in Vitrinen.

Sicher sind die Meinungen über Patina geteilt, aber man muss es ja nicht gleich übertreiben:

 

                               man könnte aber drüber nachdenken.  141 160-2 als Heizlok.

 

 

Übrigens: solch einen Schmutz wie auf den Lokdächern findet man natürlich auch auf (fast) allen Wagendächern                                      ans Werk!

 

   

   ©  Wolfram Stephan                                           zur BR E40 / 140                                                        Startseite