Füssener Modellbaublätter                                                                                                                                                                                 9/07    

 

Thema:                   Reparaturarbeiten und keine Ersatzteile

 

Irgendwann passiert es:      etwas geht zu Bruch und man hat keine Ersatzteile. Oft gibt es keine Ersatzteillisten im Internet oder sie sind „in Arbeit“ oder es gibt sie gar nicht wie z.B. bei Wagen. Die, die man gerade nicht braucht gibt es aber. Murphy!

 

Hier haben wir so einen Fall: ein VT 11.5  aus dem Jahre 1985.   Roco®, Artikel-Nr.:  14183A und 14070A, das sind die mit Innenbeleuchtung.

 

  

           

Kupplungshavarie. Dieser Zug, eine Wechselstromausführung, hat als Kupplungen zwischen den Fahrzeugen leitende Scharfenberg – Nachbildungen. Die rasten gegenseitig ein und werden durch Federzungen zusammengehalten. Diese Federzungen sind seitlich an die Gusskupplung angesetzt und verstemmt.

 

                  

 

                  

 

Die erste dieser Federn ist am schmalen Reststeg gebrochen, sie fällt bei geringster Belastung ab. Damit entkuppelt der Wagen, der Zug fällt aus. Also wird ein Blick in die Ersatzteillisten fällig. Es gibt so ca. 6 Varianten dieses Zuges auf dem Papier, aber natürlich nicht die, die man hat. Es findet sich ein „Kupplungssatz“ mit ebenfalls 6 Kupplungen. Die sehen aber alle ganz anders aus, nicht die geringste Ähnlichkeit mit dem was da vor einem liegt. Und ohne Maßangaben, das ist recht ungeschickt, denn es könnte ja eine dieser Knochen als Alternative in Frage kommen. Nächste Frage: leiten diese Dinger? Keine Antwort. Dafür aber der Spruch „Änderungen vorbehalten“. Das hilft kolossal weiter!

Der Fachhändler zuckt mit den Schultern, er kann auch nicht helfen. Meint aber, man solle den Hersteller anschreiben, vielleicht hat der ja noch in einer Schublade oder Kramkiste so was rumliegen. Nun gab es bei diesem Hersteller ja in den letzten 25 Jahren wie auch jetzt so einige ernstliche Verwirrungen. Damit schwindet die Hoffnung. Ich hab trotzdem geschrieben, die Antwort steht noch aus.

 

Wieder mal ein verregnetes Wochenende. Das Elend liegt auch wieder auf der Werkbank. Man denkt an löten, kleben, Silber-Leitlack und hat schwarze Gedanken. Ein Achtel Rotwein entspannt. Die Lösung zeigt sich, so ne Art elektrischer Gipsverband muss her. Also mit feinem Draht bandagieren und dann löten. Der feine Draht: eine Ader von AWG 26 – Litze mit Ø 0,1 mm verzinnt. Jetzt kann man sogar den Federdruck regulieren. So 5 – 6 mal rumwickeln und verlöten.  Das hält und leitet und ist reproduzierbar.

 

                 

  

Edel das Geräusch als die Kupplungen wieder einrasten. Man freut sich auf den Sonntag und den Kümmelbraten mit Kraut und Speckknödeln.

 

 

Die Salzburger aus München haben nach 2 Wochen geantwortet: es seien die Kupplungen         89227    für die Zwischenwagen

                                                                                                                                               89226    für den Motorwagen und

                                                                                                                                               89225    für den Steuerwagen.

Hab ich beim Fachhändler bestellt. Mal sehen was wann kommt und auch noch passt. Das war am 15.6. anno 2007. Sollte 10 Tage bis zur Lieferung dauern, hab ich schriftlich. Nichts geschah! Blamabel!

Am 31.10.2007 ist die zweite  Kupplung gebrochen. Roco® ist leider immer noch lieferunfähig. Jetzt habe ich alle Kupplungen am VT 11.5 vorsorglich bandagiert.

Es war ja ein Wechselströmer ohne Lichtwechsel, bei dieser Gelegenheit gleich korrigiert:

 

                                    

 

 

Die Digitalisierung

 

Für die Scheinwerfer habe ich SMD-LED’s Baugröße 1206 und für die Schlusslichter sind 0804 (0603) drin. Es sind jeweils gleichartige LED’s parallel geschaltet und mit Schutzdiode 1N 4448 und Vorwiderstände dann an den Decoder. Die Führerstandsbeleuchtung liegt ebenso parallel zum Stirnlicht.

Da ich generell DCC fahre und generell Uhlenbrock® – Decoder einsetze, gilt diese Schaltung nur für den 74400 im Motorwagen, der 2 A Motoranlaufstrom abkann. Die Schutzdioden an den LED’s sind nötig, da Uhlenbrock® keinen Gleichstrom an den Lichtausgängen liefert, sondern PWM – Wechselspannung mit +- 20 V. Diese 40 Vpp würden die LED‘s ohne Schutzdiode in Sperr-Richtung töten.

Besonderheiten: Das Chassis ist bei Roco® normalerweise stromführend +. Auf der Platine ist deshalb der Leiterzug entsprechend zu trennen (rote Linie im Schaltplan), da die Kupplung mit dem hinteren Antriebsgestell = Chassis ist und als Stromleiter für die Innenbeleuchtung dient. Die Radschleifer werden gemeinsam an das interne Massefeld angeschlossen = Decodermasse. Die Wagen beziehen den Strom aus dem 2. Decoder (76900) im Hecktriebkopf. Damit ist die Zugbeleuchtung nicht potentialfrei gegen Gleis (Masse über Räder), nur die LED’s in den Triebköpfen. Da die Innenbeleuchtung gedimmt werden muss, ist darauf zu achten, dass Stirn- und Schlusslichter auf entsprechend von der Innenbeleuchtung getrennten Ausgängen liegen, der 76900 macht’s möglich.

 

                                       

 

Mit den SMD-LED’s:   Man muss sie sehr ordentlich fluchtend einkleben, damit sie von vorne zentriert ein richtiges Glühbirnenbild abgeben. Die LED’s sollten nicht an der Grenze von 20 mA betrieben werden, das ist viel zu grell. Demzufolge sind meine Vorwiderstände ausgefallen:  fürs Stirnlicht 10kΩ, fürs Schlusslicht 4k7 und für den Führerstand 39kΩ. An den LED’s am besten mit einer Lötnadel arbeiten, damit nix verschmort. So was gibt es bei Conrad® oder Reichelt®. Wenn ich den Umbau noch mal machen müsste, würde ich aber fürs Spitzenlicht statt gelb die teuren sunnywhite von Yoldal® nehmen, € 2,- oder so / St., die gab es damals aber noch nicht. Die LED für den Führerstand sieht man von vorne praktisch kaum, nur von den Seiten wird’s drinnen hell. Die Führerstandsinneneinrichtung fehlt auffallend, da muss ich noch was ausfindig machen, es sollte die der BR 120 von Märklin® einpassbar sein. Ist in Arbeit, wie auch die Scheinwerfergläser.

 

                                                          

                                                   

Eine Schleiferumschaltung geht in dieser Bauweise nicht ohne zusätzlichen Aufwand an den Scharfenberg- oder Knochenkupplungen! Nur ich hab halt keine Fahrstromabschaltungen durch Signale o.Ä., damit entfällt dieses Problem.

 

 

Ersatzteilversorgung

Auskunft und Teile sind verschiedene Schuhe. Von etlichen Firmen kriegt man zwar Auskunft über die benötigten Ersatzteile, nur die Teile kriegt man nicht. Nicht einmal die aktuellen aus dem Katalog. Es fallen wieder die bereits bekannten Namen auf. Ein beschämendes Bild. Dann gibt es uralte Ersatzteil - Listen einiger Händler im Internet. Mit Preisen, viele haben DM mit € getauscht.. Nur liefern können die meistens auch nicht, weil die Lager leer sind. Nachschub gibt es kaum. Ein Händler in Bretten geht kaum ans Telefon und antwortet nicht auf schriftliche Anfragen. Sein Fax geht auch nicht. In Stuttgart sitzt noch so ein Kandidat. Wollte gegen NN liefern. War im letzten Jahr im Oktober. Nichts kam. Unverständlich! Viel Elend auf dieser Modellbahn-Welt.

Richtig klappen tut das nur bei Auhagen®, Faller®, Märklin®, PIKO® und Vollmer®. Da werden Ersatzteile auch sofort direkt an den Kunden geliefert. Gegen Rechnung.

Für den ICE 410 von Märklin® (3371) hab ich ne Internetadresse gefunden: www.ice-experimental.de . Da gibt es alle Ersatzteile die es bei Märklin® nicht gibt oder nie gab. Allerdings braucht auch hier alles seine Zeit und es sind gebrauchte Teile. Dafür dem Abnutzungsgrad preislich angepasst.

 Hier noch das Ergebnis von Rauchern:

 

                           die Fenster einer E41,

 

 

 

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